In den Morgenstunden des 26.Juni brachen ein paar Frühaufsteherratten auf, um sich auf den Weg zum Hamburger Halbmarathon zu machen.

Gemeinsam mit Hermann Boennecke machten sich Michael, Stephan und ich gegen 4.30Uhr auf, in Richtung Elbmetropole. Auf der Autobahn wurde schon eingehend über das Streckenprofil, welches bedingt durch einen zweimal zu durchlaufenden Rundkurs auf der Reeperbahn 2 langgezogene Anstiege und schnelle Abfahrten versprach, diskutiert und über die passende Materialwahl gefachsimpelt. Sollte man ein Rennnsetup wählen oder doch die Regenvariante? Die Tage vorm Halbmarathon waren regnerisch und die Strecke nass, und ich habe vor Abfahrt noch diverse Wetterberichte und Radars gecheckt und wagte die Prognose „ab 4Uhr kein Regen auf und die Strecke trocknet bis um 9 gut ab für Normalbedingungen“.
Gen Norden reisend, bot sich uns nach 5Uhr ein leicht dunstiger Himmel aber verheißungsvoller Sonnenaufgang über den Feldern rund um Soltau. In Hamburg selbst was es nach Ankunft noch ein recht trist verhangener Himmel und bis zur Öffnung der Startunterlagenausgabe wurde erst einmal das Zielareal erkundet und mit anderen Läufern aus Köln und Kassel unterhalten. Bei mir selbst wuchs die Anspannung, denn nach meinem verpatzten ersten Lauf überhaupt in Hannover, den ich nur noch heile nach Hause fahren wollte, war der Start in Hamburg das gefühlte erste Rennen. Gut, dass meine Teamkollegen dabei waren und mir auf dem Bustransfer zum Startgelände gute Ratschläge gegeben haben, so wurde die Anspannung dann doch reduziert.
Nach Abgabe der Kleiderbeutel war die Reeperbahn für uns Skater freigegeben um uns bis um 9Uhr bei noch leicht frischem Wind ein wenig ein- und warmzufahren. Mit fortschreitender Zeit rissen immer wieder Löcher in die Wolkendecke und meine Prognose sollte sich bewahrheiten, trockener Start und immer besser werdende Streckenverhältnisse.
Bei gut 15Grad wurde das Rennen um 9.15Uhr für Lizenz- und Fitnessstartet zeitgleich, jedoch durch Verkehrsinsel getrennt gestartet. Nach einem Flachstück auf dem man sich im Startgedränge erstmal sortieren musste ging es nach gut 700m noch mit voller Energie die erste 1,5km lange  2-3%ige Steigung hoch, bevor es wieder bergab Richtung Fischmarkt ging. Hinter dem Eingang des alten Elbtunnels ging es wieder einen Steigung hoch um noch einmal die selbe Runde ab dem Startbereich zu fahren. In der schnellen Abfahrt nach dem Staranstieg konnte man da das Feld schon sehr in die Länge gezogen war jetzt deutlich schneller fahren, und so war es Möglich nach gut 50kmh Schussfahrt nach einem kleinen Buckel vor den Landungsbrücken für 6km einen 26,5er Schnitt zu fahren, immer mein persönlich gestecktes Ziel vor Augen anzukommen und die 60 Minuten-Marke zu knacken.
An Landungsbrücken und Speicherstadt vorbei, führte die Strecke durch den gut 550m langen Wallringtunnel vor dem Hamburger Hauptbahnhof entlang, bevor es auf der Kennedy-Brücke bei 14km zu einer 180° Spitzkehre kam. Kurz vor der Kehre kam mir Stephan auf der anderen Seite der Brücke entgegen, für mich ein Zeichen das ich gut unterwegs bin und ein zusätzlicher Motivationsschub fürs weitere Rennen, in dem ich die ganze Zeit auf mich gestellt fahre, da sich kaum Züge auf meiner Geschwindigkeit gebildet haben, entweder waren sie deutlich schneller oder deutlich zu langsam.
In der Kehre verschätzten sich leider ein paar Skater mit ihrer Geschwindkeit und rauschten kurz vor mir geradeaus und mussten den Gehweg zuhilfe nehmen oder stürzten gar. Leider konnte ich dadurch das ein paar Tage zuvor beim Hallentraining geübte Kehrenfahren nicht anwenden und verlor viel Tempo, konnte dieses jedoch recht schnell durch intensives langes Pushen auf dem Weg rund um die Außenalster wieder aufbauen.
Die letzten 3,5km durch Wohngebiete gestalteten sich noch einmal tückisch, die hohen Bäume an den Straßen ließen nicht viele Sonnenstrahlen hindurch, was dazu führte dass viele Streckenabschnitte noch sehr rutschig waren, sauberes Umsetzen und Pushen aus den Kurven hinaus wurde teilweise, auch bedingt durch Pollen die einen weiteren Schmierfaktor bildeten, zu einem sehr heiklen Unterfangen bei dem auch wieder einige Läufer Bekanntschaft mit dem Asphalt machen mussten.
Das letzte Stück in Richtung Ziel ging es noch einmal leicht bergauf und als ich die Zeitanzeige im Schlussbogen hängen sah, ließ mein Körper noch einmal weitere Reserven frei, denn ich war auf bestem Weg mein Wunschziel zu pulverisieren.

Mit einer Zielankunft bei 52:51Min war ich gut sieben Minuten schneller als mein Wunschergebnis.

In diesem Sinne:    Keep on pushing!